Die Joomla-Welle 2026: Was die Rekordzahl an Sicherheitslücken für Ihre Website bedeutet
Oktober 10, 2026 • Florian De Felice • Sicherheit und Wartung
Lesedauer: 4 Minuten

Joomla galt lange als ruhiges Pflaster: Über Jahre kamen nur wenige Dutzend Sicherheitslücken pro Jahr ans Licht. 2026 hat sich das grundlegend geändert. Seit Juli erscheinen Meldungen in einem Tempo, das es bei Joomla bisher nicht gab – und Angreifer nutzen einige der Lücken bereits aktiv aus. Gleichzeitig laufen die Fristen für ältere Joomla-Versionen ab. Was hinter der Welle steckt und was das für Betreiber einer Joomla-Website bedeutet.
Von 47 auf 371: ein Rekordjahr
Für Joomla gibt es keine Jahresberichte, wie sie Patchstack für WordPress veröffentlicht. Wir haben deshalb selbst gezählt, und zwar in der US-Schwachstellendatenbank NVD: alle veröffentlichten Sicherheitslücken (CVEs), deren Beschreibung Joomla nennt – Kern und Erweiterungen zusammen. Von 2020 bis 2025 waren es zwischen 12 und 62 pro Jahr, insgesamt 194. Allein bis zum 5. Oktober 2026 kamen 371 hinzu – fast doppelt so viele wie in den sechs Jahren davor zusammen.

Veröffentlichte Sicherheitslücken (CVEs) mit Joomla-Bezug pro Jahr, Kern und Erweiterungen. Quelle: eigene Auswertung der NVD (Stichwortsuche „Joomla“), 2026 Stand 5. Oktober. Die Zählweise ist nicht mit den WordPress-Zahlen von Patchstack vergleichbar.
Seit Juli: im Schnitt jeden zweiten Tag neue Meldungen
Der Sprung kam im Sommer. Im dritten Quartal 2026 veröffentlichte das Joomla-Projekt 283 Lücken – es vergibt seit November 2020 selbst CVE-Nummern für Kern und Erweiterungen. Die erste dieser Meldungen erschien am 9. Juli; danach gab es an 40 der folgenden 84 Tage neue Einträge. Nach den CVSS-Bewertungen in der NVD sind 75 davon kritisch, 102 hoch und 106 mittel.
Wie bei WordPress steckt das Risiko vor allem in den Erweiterungen: 257 der 283 Lücken – rund 91 % – betreffen Erweiterungen, 26 den Joomla-Kern. Einige dieser Kern-Lücken betreffen laut ihrer Beschreibung auch Joomla 3 und Joomla 4, also Versionen, für die es keine Sicherheitsupdates mehr gibt.
Angreifer nutzen bereits vier Lücken aus
Dass die Welle kein reines Zahlenspiel ist, zeigt der Katalog der US-Behörde CISA, die nachweislich ausgenutzte Lücken sammelt. Er führt vier Lücken in Joomla-Erweiterungen aus diesem Jahr: im Editor JCE, im SP Page Builder, im Page Builder CK und in Balbooa Forms. Allen vier ist laut CISA gemeinsam, dass Angreifer ohne Anmeldung Dateien hochladen und darüber Code auf dem Server ausführen können.

Wie schnell das geht, beschreibt die Plattform mySites.guru: Zwischen Mitte Juni und Ende Juli fand ihr Team 19 Lücken in 17 verbreiteten Erweiterungen, fünf davon mit der höchsten CVSS-Bewertung 10,0. Betroffen waren unter anderem AcyMailing, Phoca Download, DPCalendar, iCagenda, Gridbox sowie die Templates Helix3 und Helix Ultimate. „Several of the flaws above were exploited in the wild within hours of the fix appearing“ – Angreifer nutzten mehrere Lücken also schon wenige Stunden nach Erscheinen des Updates aus. Bemerkenswert: Zuerst entdeckten Menschen alle 19 Lücken beim Lesen des Quellcodes, KI setzte das Team laut mySites.guru nur ergänzend ein.
Die Fristen: Joomla 3, 4, 5 und 6
Neben den Lücken zählen die Supportfristen. Joomla 3 erhält seit August 2023 keine Sicherheitsupdates mehr, Joomla 4 seit Oktober 2025. Für Joomla 5 enden die regulären Fehlerbehebungen am 13. Oktober 2026, Sicherheitsupdates gibt es laut offizieller Roadmap noch bis zum 12. Oktober 2027. Joomla 6 erhält Sicherheitsupdates bis zum 16. Oktober 2029.

Ende der Sicherheitsupdates je Joomla-Version. Quellen: Joomla Roadmap (Joomla 5 und 6), endoflife.ai (Joomla 3 und 4).
Für eine Website auf Joomla 3 oder 4 heißt das: Für neue Lücken im Kern gibt es dort keine Updates mehr. Und auch Joomla 5 hat nur noch ein Jahr Sicherheitsunterstützung vor sich. Der Wechsel auf Joomla 6 ist dabei kein gewöhnliches Update, sondern eine eigene Migration, die Zeit für Planung und Tests braucht.
Was das für Sie bedeutet
- Version prüfen: Läuft Ihre Website noch auf Joomla 3 oder 4, fehlen ihr Sicherheitsupdates für den Kern – hier ist der Wechsel überfällig.
- Erweiterungen aufräumen: Jede installierte Erweiterung ist eine mögliche Schwachstelle. Was Sie nicht brauchen, sollten Sie entfernen.
- Schnell reagieren: Wenn Angreifer Lücken schon Stunden nach dem Update ausnutzen, reicht ein Wartungstermin alle paar Monate nicht aus.
- Vor jedem Update sichern: mySites.guru rät, vor dem Einspielen von Updates eine Sicherung anzulegen.
- Nach einer Lücke nachsehen: War eine verwundbare Version online, sollten Sie nach veränderten Dateien und Hintertüren suchen; bei Lücken über die Datenbank (SQL-Injection) empfiehlt mySites.guru zusätzlich, die Datenbank zu prüfen und Zugangsdaten zu erneuern. PHP in Upload-Verzeichnissen zu sperren, sei nur Schadensbegrenzung und kein Ersatz für das Update.
- Joomla 6 für 2027 einplanen: Bis zum 12. Oktober 2027 sollte der Umstieg abgeschlossen sein.
Passende Leistung
WordPress- und Joomla-Wartung in zwei Paketen mit monatlichem Zeitkontingent – Updates für Erweiterungen ohne Mengenbegrenzung, kritische Sicherheitsupdates automatisch innerhalb von 24 Stunden. Jeder Wechsel auf eine neue Joomla-Hauptversion, etwa von Joomla 5 auf 6, ist als eigene Migration separat anzufragen.
Quellen
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